Wir durften als Zuschauer an zwei echten Hauptverhandlungen teilnehmen. Schon der Beginn der Prozesse hinterließ einen bleibenden Eindruck: Als der Richter den Saal betrat und sich alle Anwesenden schlagartig erhoben, wurde die Autorität des Gerichts sofort spürbar. Dies verdeutlichte uns eindrucksvoll den Respekt vor dem Gesetz und die Ernsthaftigkeit der Situation.
Die erste Hauptverhandlung fand ohne den Angeklagten statt, da es sich um eine Entscheidung über Rechtsfolgen, also das Strafmaß handelte. Hierbei ging es um eine Fahrt unter Alkoholeinfluss. Während Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers hielten, hörten alle Schülerinnen und unser Sozialkundelehrer Herr Weitzel gebannt zu.
Ein großer Gewinn war das anschließende Fachgespräch mit dem vorsitzenden Richter in einer Verhandlungspause. Er beantwortete geduldig unsere Fragen und erläuterte von sich aus viel Interessantes.
In der zweiten Verhandlung ging es um Diebstahl. Hierbei konnten wir die Struktur eines Prozesses gut nachvollziehen: Von der Verlesung der Anklageschrift über die Beweisaufnahme bis hin zu den Plädoyers. Am Ende wurde der Angeklagte aufgrund seiner Vorstrafen zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt.
Die Exkursion mit Herrn Weitzel hat uns Schülerinnen viel mitgegeben. Wir wurden mit der Komplexität unseres Rechtsstaats vertraut und haben gemerkt, dass hinter dem Rechtswesen viel mehr steckt, als in typischen Fernsehserien erwähnt wird. Wir haben gelernt, wie komplex und wichtig eine funktionierende Justiz für unser Zusammenleben ist.
Lia-Madeleine Lehmann


