Eine langsame Entwicklung zum naturnahen Garten

Eindrücke zur Entwicklung unseres „Grünen Klassenzimmers“. Von Dr. Arndt Löwenberg.

Manche mögen enttäuscht sein. Wo sind die blühenden Azaleen, die schönen Forsythien, die seltenen Ginkgos und die ordentlich geschnittenen Thujahecken? Obwohl die Natur rund um das Freilandklassenzimmer in diesem Jahr so richtig Fahrt aufnimmt, erinnert das erst kürzlich ausgezeichnete Projekt keinesfalls an einen schönen Garten. Dort, wo man prall gefüllte Pfingstrosen erwartet, entdeckt man den Wildwuchs einer Wildblumenwiese. Es fehlen auch die gefüllten Zierblumen, die Blütenbesuchern weder Pollen noch Nektar spenden. Zugunsten von wertvollen Futterpflanzen für Bienen und Schmetterlinge wird dort auch auf ornamentale Gartengestaltungselemente verzichtet. So findet man dort statt exakt geschnittenen Eibenhecken riesige Reisighaufen als Rückzugsgebiet für Igel und Insekten.

Die Entwicklung zu einem artenreichen Naturgelände vollzieht sich in vielen kleinen und großen Schritten. So halfen zunächst Eltern, Lehrerinnen, Lehrer und Schülerinnen dabei, standortfremde Koniferen und riesige Bestände des invasiven Götterbaumes restlos zu entfernen. Auch Brombeergestrüpp, Disteln und flächendeckende Schöllkrautbestände wurden stark dezimiert. Mit der finanziellen Hilfe des Fördervereines, des Lions-Clubs und der sehr aktiven Natur-AG konnte allein in diesem Jahr der Pflanzenbestand mit 58 naturfreundlichen Arten ergänzt werden. Darunter befinden sich ergiebige Nektar- und Pollenspender und wertvolle Futterpflanzen für Raupen und Co. Die Kräuterspirale, deren Steine ebenfalls auf eine private Spende zurückgehen, zeigt nun die ersten Küchenkräuter. Der benachbarte Sukkulentenhügel beherbergt jetzt unauffällige Dachwurze, den scharfen Mauerpfeffer und besondere Trockenspezialisten wie Dickblattgewächse, Kalanchoeen und Euphorbien. Auch von der tierischen Seite zeigen sich neue Gäste: Im Teich quakt ein (derzeit noch einsamer) Frosch. Igel wurden gesichtet, Distelfinken suchen ihr Futter auf dem Gebiet und hübsche Schmetterlinge, wie der Faulbaum-Bläuling kehren zurück. Sogar eine selten gewordene Schmetterlingsart, der „Rote Ampfer-Glasflügler“, findet auf dem Geände den eifrig blühenden Feinstrahl (Erigon annuus) als Necktarquelle und einige Ampferarten (Rumex sp.) für die Entwicklung seiner Larven.


Zurück
###